Das Petra Prinzip

December 20, 2005

Das Ende der Frauenbewegung

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“Emma und ihre Schwestern” – das neue Buch von Katharina Rutschky

Ende der 60er Jahre entwickelte sich aus der Studentenrevolte die deutsche Frauenbewegung. Die Autorin Katharina Rutschky schreibt heute: “Diese Bewegung hat sich totgesiegt, es gibt keinen Grund, sich zu freuen – um die Diskussion neu anzuregen, müssen auch neue Parolen her”.

Vor dreißig Jahren verlangten Feministinnen lautstark und nachdrücklich ihr Recht auf Selbstbestimmung. Sie attakierten die Vorherrschaft der Männer – wollten das Patriarchat abschaffen. Frauen wurden unberechenbar, entwickelten Parolen, mit denen sich Leidensgenossinnen identifizieren konnten, erklärten das andere Geschlecht zum Feindbild. Das Fürchten sollten sie lernen, denn bislang waren Frauen potentielle Opfer und Männer die potentiellen Täter – Zeit, dies zu ändern. Rutschky

Der Kampf gegen den Abtreibungsparagraphen 218 sorgte für Aufsehen – 1971 druckte der “Stern” ein Titelblatt, auf dem Frauen bekannten: Ich habe abgetrieben. Es war völlig neu, über dieses Thema öffentlich zu reden – ein Tabubruch. Die Frauen forderten, über ihren Körper selbst zu bestimmen. Alice Schwarzer gründete die Zeitschrift EMMA und ist seitdem eine der prominentesten und engagiertesten Frauen, die aus dieser Bewegung hervorging. Die Por-No-Kampagne der Emma-Redaktion entfachte die Diskussionen um Pornographie und sexuelle Freiheit. Wieder wurde ein Thema angesprochen, über das besser nicht geredet werden sollte. Frauen verlangten in allen Bereichen Gleichberechtigung – wollten es den Männern gleichtun und endlich die Rolle, die ihnen geschichtlich zugedacht war, aufbrechen. Und die Männer, die es gewohnt waren, für ihre Familie zu sorgen, sich der Frau überlegen zu fühlen und die ihre Männlichkeit notfalls im Krieg unter Beweis stellen konnten – ihnen fiel es schwer, sich mit der Gleichberechtigung der Geschlechter anzufreunden.

Heute ist das etwas anders: Frauen im Berufsleben sind keine Ausnahme mehr, Frauen, die abgetrieben haben auch nicht. Sie sind in der westlichen Welt grundsätzlich anerkannt, haben alle Freiheiten. Anders ausgedrückt: die Emanzipation ist gesellschaftsfähig geworden – wird in ihren Grundprinzipien nicht kritisiert, denn schon lange werden die Rechte der Frau nicht mehr in Frage gestellt. Doch dies ist auch das Ende der Frauenbewegung. Heute kämpfen die Frauen nicht mehr, heute beschweren sie sich. Sie klagen über Doppelbelastung, mangelnde Anerkennung, Quotenregelungen, sie vermissen den Respekt – empfinden Neid auf das, was Männer haben.

Buchtitel Um die Diskussion neu zu entfachen, müssen auch neue Parolen her. Nun müssen Frauen von ihrer – wie Katharina Rutschky es ausdrückt – “Differenztheorie” Abschied nehmen. Nicht die Männer- oder Frauenwelt sollte angestrebt werden, die Geschlechter müssen sich annähern. Und das ist es, worauf die Frauen der 90er bestehen müssen: sie sollen nicht genauso wie die Männer werden, nicht Männer durch Frauen ersetzen, sie sollen anders bleiben, doch mit den gleichen Rechten und Möglichkeiten. Erst dann, wenn es nicht mehr nötig ist über die Frauenbewegung, deren Sinn und Unsinn, über Quoten oder Gleichberechtigung zu reden oder Männer ihre Zustimmung geben wie “Ich finde es schon in Ordnung, daß Frauen für ihre Rechte kämpfen, ich habe nichts gegen eine Frau in Führungspositionen”, dann ist es geschafft. Andererseits sollten Frauen aber auch nicht mehr vor Bewunderung schreien, wenn ein Mann alleine seine Kinder großzieht, den Haushalt bewältigt und auch noch beruflich erfolgreich ist.

Literaturhinweis: Katharina Rutschky, “Emma und ihre Schwestern”, erschienen bei Hanser / John Gray, “Männer sind anders – Frauen auch”

4. Februar 1999

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Was eigentlich will das Weib?

Filed under: Abschnitt,Argument,Beispiel,Literatur,These — by petraprinzip @ 11:09 am

Der regierende Feminismus ist erstarrt: Noch immer sieht er Frauen nur als Opfer / Essay von Mariam Lau

Nehmen wir an, dem Besucher einer fernen Galaxie fiele ein Bündel von Verlautbarungen unserer Frauenpolitikerinnen in die Hände, und er versuchte, aus diesem ein Bild von der Lage der Frau zu konstruieren: Er käme zu katastrophalen Ergebnissen. Gerade hat unter dem Vorsitz von Frauenministerin Christine Bergmann eine Konferenz zum Thema “Gewalt gegen Frauen ­ Maßnahmen zur Bekämpfung von häuslicher Gewalt” in der europäischen Union begonnen. In einem Interview kommentierte die Ministerin, der Schutz des Staates dürfe künftig nicht mehr vor der Haustür haltmachen.

Unser Marsianer übersetzt sich diese Perspektive in eine Schreckensvision: Überall da, wo es keine öffentliche Kontrolle gibt, sind Frauen potentielle Opfer von Gewalt; je privater die Situation, desto gefährlicher. Also: Das vor kurzem durchgeboxte Gesetz gegen Vergewaltigung in der Ehe, für das man sich in frauenpolitischen Kreisen noch immer auf die Schulter klopft, hat nicht ausgereicht; es braucht wohl einen direkten staatlichen Zugriff auf die Wohnung, der dann womöglich auch nicht mehr lange auf eine Anzeige durch die betroffene Frau warten muß, sondern aus eigenem Antrieb tätig werden kann. Man weiß ja, wie eingeschüchtert Frauen durch jahrelange Gewaltverhältnisse sind . . .

Nirgends kommt die trostlose Lage der Frauenbewegung, 30 Jahre nach ihrer Entwicklung aus dem Schoß der Studentenbewegung, deutlicher zum Ausdruck als in der verzweifelten Konzentration auf etwas derart Vages, Metaphorisches und Beliebiges wie “Gewalt”. Ihr sind die Themen ausgegangen. Angesichts einer durchgesetzten rechtlichen Gleichstellung, der es aber nicht gelungen ist, alle Wirkungen des Geschlechtsunterschiedes zu überwinden, weiß sie nicht mehr: Was will das Weib? Sie will es auch gar nicht wissen. Wie eine in Bernstein gefangene Fliege ist das “Bewegte” an ihr geronnen zu einem starren Apparat von Frauenbeauftragten, Gleichstellungsbeamtinnen und Ministerinnen, die nicht mehr anders können, als sich ihre Klientel als Opfer vorzustellen. Wer Gewalt gegen Frauen nicht für das Thema hält, ist ihr bereits zum Opfer gefallen oder ein Kollaborateur, der drüben bei den Männern Karriere machen will.

Der Begriff der Gewalt wird hier bis zur Lächerlichkeit gedehnt. In dem berühmtesten aller Frauenratgeber, “Unser Körper, unser Leben”, heißt es beispielsweise: “Gewalt gegen Frauen ist eine alltägliche Erfahrung. Die Anmaßung, mit der Männer auf der Straße Frauen begegnen, ist ebenso ein Zeichen für ihren Machtanspruch wie die zahlreichen realen oder Phantasiebilder, mit denen wir in Fernsehsendungen, Filmen und vor allem in der Werbung konfrontiert werden. . . . Mindestens dreißig spezifische Situationen in unserem sozialen Zusammenleben wurden unterschieden, ein breites Spektrum, das Sterilisationsmißbrauch, Pornographie, Mißbrauch von medikamentösen Behandlungen, Erzeugung von Selbsthaß und ökonomische Unterdrückung erfaßt.”

Angesichts dieses in der Tat “breiten Spektrums” wird wohl niemand mehr bestreiten wollen, daß es sich eher um eine Art metaphorischer Beschreibung handelt, mit der nicht ein zu beseitigender Mißstand beschrieben werden soll, sondern die grundsätzliche Situation zwischen Männern und Frauen, die man nur abschaffen kann, wenn man die Tatsache abschafft, daß es zwei verschiedene Geschlechter gibt. Der Sexualwissenschaftler Rüdiger Lautmann konstatiert mit Beklemmung, wie sich die Botschaft der sechziger Jahre, Sex sei harmlos, spätestens seit den achtziger Jahren in ihr Gegenteil verkehrt hat: Sex ist seither eine Form von Machtausübung. Das Schlagwort von der “Zwangsheterosexualität” ist da ebenso sprechend wie der Slogan “Pornographie ist die Theorie, Vergewaltigung die Praxis”. War die Metapher des 19. Jahrhunderts für Sex “Prostitution”, so ist sie für das späte 20. Jahrhundert “Gewalt”.

Es kann kein Zufall sein, daß dem oben zitierten Frauenratgeber auch der weibliche Selbsthaß in die Aufzählung männlicher Gewaltakte gerutscht ist. In der Tat läuft die gegenwärtige Frauenpolitik mit ihrem Wahn von der totalen Gleichstellung auf die Auslöschung eines der beiden Geschlechter hinaus ­ frappierenderweise aber eben des weiblichen. Alles Frauenspezifische ­ in erster Linie natürlich das Kindergebären ­ wird ausgeblendet oder als eine auf beide Lebenspartner zu verteilende Last beschrieben. Wieder und wieder beklagt Frauenministerin Bergmann, die Aufteilung der Hausarbeit und Kinderpflege bleibe weit hinter den gesetzlichen Möglichkeiten zurück. Auch wenn sie es nicht ganz so deutlich sagt, kann sie sich dafür aber offenbar doch keine anderen Gründe vorstellen, als daß die Frauen gegen ihren Willen zu diesen menschenverachtenden Tätigkeiten gezwungen werden ­ sicher mit einem ganzen Bündel von Gewaltakten.

Schade, daß auch eine rot-grüne Regierung, der man etwas mehr Enthusiasmus für die frei disponierende Bürgerin gewünscht hätte (der sie ja mit ihrer Bildungspolitik erheblich auf den Weg geholfen hat), so zäh am Opferstatus von Frauen festhält. Vielleicht könnte ein bißchen unerschrockene Empirie hier weiterhelfen. Dann würde sich herausstellen, was Katharina Rutschky in ihrem neuen Buch vermutet: daß Männer und Frauen den Haushalt als Bühne für den Geschlechtsunterschied benutzen. Die Freiheit nehmen sie sich.

Mariam Lau lebt als freie Publizistin in Berlin.

© DIE WELT, 31.3.1999

Leserbrief von Dr. Karin Jäckel:

Mariam Lau hat es auf den Punkt gebracht: Die aktuelle Frauenpolitik agiert wirklichkeitsfremd und dient allenfalls insofern den Interessen der Frauen, als sie dem vergleichsweise kleinen Trupp der Ministerinnen, Frauenbeauftragtinnen, Gleichstellungsbeamtinnen und Leiterinnen zahlloser staatliche geförderter Frauenprojekte in ABM-Manier den Job erhält.

Anstatt die in Deutschland längst erreichte Gleichberechtigung der Frau zu begrüßen und ein partnerschaftliches Miteinander der Geschlechter zu fördern, wird die Gleichberechtigung negiert und durch eine in Einpeitschermanier betriebene Männer-Verhetzung ein Geschlechterkampf sondergleichen angeheizt.

Auf der Strecke bleiben neben Familien und Kindern die Frauen selbst, deren Unmündigkeit durch die gebetsmühlenartige Neuerfindung ihrer Opferrolle erst kunstvoll erzeugt wird.

Dr. Karin Jäckel, Autorin u.a. “Der gebrauchte Mann – Abgeliebt und abgezockt – Väter nach der Trennung”

Eine Generation im Dauerflunsch

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SZ Nr. 60 vom 13.3.99 – SZ am Wochenende, Seite VI

Astrid von Friesen

Müssen Mütter so unzufrieden sein? – Kleine Strafpredigt nach 30 Jahren Emanzipation

FRAUENPOWER: Mütter sind groß und mächtig, Väter blaß und gehorsam, und die kleinen Söhne werden zu Paschas erzogen …

Um es gleich zu sagen: Hier soll nicht die Rede sein von den vielen Frauen mit oder ohne Kinder, die im reichen Deutschland in Armut leben. Über sie wird häufig geschrieben. Hier geht es um die Frauen zwischen 30 und 35 Jahren aus der satten Mittelschicht Es ist die privilegierteste Frauengeneration der Weltgeschichte.

Es fing schon pränatal ziemlich gut an. Ihre Mütter mußten nicht mehr unzählige Schwangerschaften über sich ergehen lassen; besonders die Westmütter, sofern nicht erwerbstätig, hatten sensationell viel Zeit für sie, förderten sie nach allen Regeln der pädagogischen Kunst. Sie genossen eine gute Schulbildung, machten im Durchschnitt ein besseres Abitur als die Jungen, konnten unter interessanten Berufen wählen und sich ihr Leben selbstbestimmt einrichten. Denn sie partizipieren von den Errungenschaften der Frauenbewegung, die ihre Mütter noch mit Demos auf den Straßen, mit Abtreibungs-Offenbarungen, Frauenworkshops und jahrelangen, heißen Diskussionen vorangetrieben hatten. Sie partizipieren, aber lassen die Älteren auch ihre Verachtung spüren ob deren Verbiesterung. Ohne zu reflektieren, daß die hart kämpfen mußten für das, was für die 30jährigen selbstverständlich ist.

Als die erwachsen waren, konnten sie, ohne gravierende sexuelle und moralische Hemmungen, mit Pille, noch ohne Aidsangst, ihre Partner frei wählen, sich auch wieder trennen, ohne daß die eigenen Eltern zusammenbrachen, und sich lustvoll einen Neuen suchen. Wunderbar, diese Wahlmöglichkeiten für das gesamte eigene Leben. Noch nie für Frauen in diesem Umfang dagewesen! Man wünscht es ihnen nachträglich, daß sie diese Zeit genossen haben.

Sehr schweigsame Männer

Doch dann passierte etwas. Aus energiegeladenen, optimistischen Studentinnen, aus berufstätigen jungen Frauen wurden mißmutige Dreißiger, die ihres Lebens nicht froh sind, weder in der Ehe noch nach der Scheidung, weder mit noch ohne Kinder. Frauen, die den Dreh einfach nicht hinkriegen.

Beispiel eins: Eine junge Familie im Intercity. Die Eltern um die 30, beide in naturbelassener Baumwolle, zwei aufgeweckte Töchter. Die Frau bittet ihren Mann, ein Bilderbuch aus dem Rucksack zu holen. Tut er auch, freundlich und selbstverständlich. Die Kinder warten gespannt, daß der Vater ihnen gleich vorlesen wird. Gut und schön, jedoch nicht für die Frau. In sieben Minuten (mitgezählt) erteilt sie ihrem Mann sechs Befehle: Nein, faß den Rucksack anders an, nein, erst den Beiß Verschluß, nein, den anderen Reißverschluß, jetzt setzt euch zu dritt hin, nein anders … Stuft die Frau ihren höchstwahrscheinlich freiwillig gewählten Ehemann als geistig behindert ein? Nein, so wirkt er nicht, er läßt diesen demütigenden Redeschwall, mit stoischer Ruhe über sich ergehen. Ruhig ja, und tief resigniert. Und sie merkt gar nicht, daß sie gleichzeitig auch die Kinder nonstop mit unsinnigen Bevormundungen in leidender, nörgliger Stimme malträtiert. Nicht schlimm eigentlich, nur möchte man nach zehn Minuten schreiend davonlaufen.

Aber die Familie schaltet auf Durchzug, so daß diese chronisch unerträglich junge Frau dann wiederum das Gefühl bekommt, keiner höre ihr zu. Stimmt ja auch, das hält keiner aus! Doch was ist der Gewinn ihres Verhaltens? Sie darf sich als Opfer fühlen. Es scheint, als sei dies das unbewußte Ziel. Doch, um Himmels willen, warum? Sie hat doch alles, außer daß die Welt für alle ungerecht ist: Eine gute Ausbildung, einen sympathischen, hilfsbereiten Mann, entzückende Kinder, Geld für lange Reisen … Es gäbe da wohl einen “Zusammenhang zwischen der Blässe der Väter und der Bösartigkeit der Mütter”, schreibt Ursula März im Kursbuch Unsere Mütter.

Beispiel zwei: Ein gleichaltriges Paar steigt ein, beide vom Typ Bankangestellte, ein wenig schicker. Ohne Kinder. Er hebt den kleinen Koffer auf die Gepäckablage. Sie: Nein hierhin. Er muß ihn noch zweimal verrücken. Ebenso die Mäntel. Sie befiehlt aufhängen, nein hinlegen, nein hierher legen! Er macht es. Sie setzt sich als erste. Das ist o.k. Doch nein, sie will lieber gegenüber sitzen, also alles noch einmal andersherum. Eine ganz alltägliche Situation, oft zu beobachten. Erst auf den zweiten Blick wird ihre Abstrusität deutlich.

Wie muß es in diesen Frauen innen aussehen, wenn sie es nötig haben, ihre Männer in der Öffentlichkeit anhaltend zu schikanieren? Warum wollen sie der Welt demonstrieren, daß sie sich selbst einen Vollidioten ausgesucht haben, der den Koffer nicht ohne Anweisungen hinlegen kann? Warum dieser extreme Kontrollzwang? Würden Sie ihre beste Freundin auch so behandeln? Warum tun sie es – emanzipiert wie sie erscheinen wollen – nicht selbst? Und die Männer: meist freundlich, hilflos, fast devot. Aber sehr, sehr schweigsam.

Beispiel drei: Familie D., zwei Kinder. Er ist Psychologe, sie Lehrerin. Beide entscheiden als erwachsene Menschen freiwillig, daß er weiter arbeitet und sie zu Hause die Kinder erzieht. Niemand hat sie weder zu den Kindern noch zum Hausfrauendasein gezwungen. Er liebt seinen Beruf nicht, ist extrem angestrengt, wenn er nach Hause kommt, und muß dann noch Wäsche waschen, kochen und am Wochenende putzen. Emanzipationsgeschädigt wagt er Jahre nicht, sich darüber zu beschweren. “Frauen haben doch immer recht'”, ist seine resignierte Haltung.

Zur therapeutischen Aufgabe gehört, nun herauszufinden, welche Arbeit eigentlich in der Gesamtfamilie anfällt. Sie übersieht völlig, es ist buchstäblich nicht auf ihrer Rechnung, daß er zehn Stunden am Tag für die Familie arbeitet. Männliche Erwerbsarbeit zählt bei Frauen immer weniger, als sei jeder Job ein Jux oder die pure zehnstündige Selbstverwirklichung im Liegen. Nur die eigene Arbeit zu Hause hat Gewicht. Dann die provozierende Frage: Wenn er sich zehn Stunden mehr oder weniger quält, warum kann sie dann nicht die “doofe” Hausarbeit ebenfalls in dieser Zeit erledigen, so daß der Feierabend und das Wochenende frei sind für sie als Paar, für die von beiden geliebten Kinder und zur Erholung? Großes Erstaunen bei ihr, eine völlig neue Sicht auf die Welt und die Gerechtigkeit. Es ist ihr absolut ungewohnt, sich mal nicht als alleiniges Opfer zu betrachten, sondern zu erfahren, daß sich ein anderer Mensch als Opfer von ihr fühlt. Neu auch zu realisieren, daß ein anderer Mensch ebenfalls physische und psychische Grenzen hat. Völlig neu, daß es zufällig der eigene Mann ist.

Warum schaffen es junge Frauen nicht, innerhalb von zehn Stunden einen kleinen, volltechnisierten Haushalt und die Betreuung von zwei Kindern zu erledigen? Die Psychoanalyse lehrt: Nicht können, heißt nicht wollen!

Beispiel vier: Eine junge Familie. Die Frau ist Historikerin, bleibt ebenfalls freiwillig zu Hause bei den Kindern. Sie ist weder geistig noch körperlich behindert, doch dreimal in der Woche ruft sie panisch ihre Babysitterin an, weil sie es nicht schafft, die Kinder (4 und 5 Jahre) allein ins Bett zu bringen. Oder nicht schaffen will? Abends nach 20 Uhr räumt der Mann den Frühstückstisch ab. Für ein Eheleben bleibt da sowieso keine Zeit, Sexualität ist gestrichen statt…

Beispiel fünf: Eine Frau verläßt über Nacht den Mann, die zwei Kinder im Alter von sieben und acht Jahren bleiben bei ihm. Kann vorkommen, klar. Aber: Warum muß sie nicht für die Kinder zahlen? Kein Gericht kann sie offenbar zwingen zu arbeiten. Sie will auch nicht, hat wieder wohlhabend geheiratet. Eine türkische Mutter würde für die eigenen Kinder putzen gehen … Müssen nur Männer Alimente zahlen?

Beispiel sechs: Sie, aus einer matriarchalen Familie (schon in der dritten Generation werden Männer ausgesondert), läßt sich scheiden. Die drei Kinder hat sie ihrem Mann – klar, selber schuld – entlockt (zweimal hatte sie die Spirale ohne sein Wissen herausgenommen). Anschließend hat er ausgedient, jetzt darf er Unterhalt zahlen, aber die Kinder nicht sehen, selbst Weihnachten nicht mit ihnen telephonieren.

Ist sie nun glücklich? Nein. Und der Besuch beim Arzt, Homöopathen, Wunderheiler wird zum Hobby, weil zum einzigen Kontakt mit der Männerwelt. Was hat sie gegen ihn? Was hat er ihr getan? Nichts. Nur schuld sei er an allem. Ihre 50 Prozent Selbstbeteiligung an der Ehe mit ihr zu reflektieren, ist nicht möglich. Er hatte nämlich neben zwölf Stunden Arbeit noch die eigenen Hemden bügeln müssen, versorgte abends die Kinder, renovierte bis Mitternacht das Haus. Ihre drei Kinder: Keine Freude für sie, als Waffen mißbraucht.

Erbe für die Söhne

Kinder dienen der Selbstverwirklichung. Doch sind sie erst einmal da, werden die Mütter depressiv. Sie wissen zwar alles über prä- und postnatale Zustände, machen sich verrückt wegen der besten Babynahrung, aber können sich nicht freuen. Vielleicht weil die Welt zu viele Möglichkeiten bietet, weswegen sie so wenig zu dem stehen können, wofür sie sich freiwillig als Erwachsene ohne Not entschieden haben: für Kinder, für eine Kinderphase von 5 bis 15 Jahren?

Und die Fortsetzung folgt auf dem Fuße: Keine der jungen mit ihren Männern so unzufriedenen Frauen krempelt die Ärmel hoch und erzieht ihre kleinen Söhne zu wunderbar sozialen Wesen, die perfekt kochen und bügeln können. Nein, die eigenen Söhne werden ebenfalls Paschas. Die vorweggenommene Schwiegermutterrache an der späteren Schwiegertochter? Frei nach dem Prinzip: Zahn um Zahn, Mann um Mann, Ärger um Ärger! Donata I., eine Mutter von vier Söhnen, formuliert es positiv: “Mein Erziehungsziel ist, daß mich später einmal meine Schwiegertöchter lieben …”!

Karin Jäckel schrieb 1998 Der gebrauchte Mann – Abgeliebt und abgezockt – Väter nach der Trennung, ein Buch für “emanzipierte Frauen, die es nicht nötig haben, Männer als unfähige Väter und Faulenzer der Nation und die Ehe als Versorgungsinstitution zu diffamieren”. Die Autorin bekam Morddrohungen – von Frauen. Dabei hat sie nur (nach Hunderten von Büchern über die Schlechtigkeit der Männer) die andere Seite beleuchtet: Frauen als Täterinnen, Frauen, die ihre Männer und ihre Kinder als Machtmittel, Eigentum, Racheobjekt und Wanderpokale mißbrauchen.

Doch Achtung! Der Kulturkritiker Robert Bly schreibt, daß nach der Vaterlosigkeit (in den USA wachsen schon 60 Prozent der schwarzen und 30 Prozent der weißen Jugendlichen ohne Väter auf!) die Mütterlosigkeit folgen wird. Ihr Beginn ist schon an der Machtlosigkeit vieler Mütter spürbar, die gegen die Medien und Peergroups nicht mehr viel ausrichten können.

Gute Väter sind nicht gefragt

Was heißt eigentlich Emanzipation? “Befreiung aus einem Zustand der Abhängigkeit; Verselbständigung; rechtliche und gesellschaftliche Gleichstellung” (Duden 1990). Nirgends steht, daß die Opferhaltung dazugehört, dieses quengelige, nörglige Kleinmädchengehabe mit Dauerflunsch wie bei Schwerpubertären. So haben wir uns das damals nicht vorgestellt, daß die Jüngeren zwar partizipieren, aber wie unmündige Prinzessinnen quengeln. Warum kämpfen sie nicht aufrecht, lustvoll, kreativ und mit alle ihren fabelhaften Voraussetzungen für mehr Gerechtigkeit auf dieser Welt? Warum der Rückzug ins Mißmutige, ins Geldzählen, ins Eigenheim, ins Dekorative, ins Depressive?

Sie haben doch alle Möglichkeiten, die Dreißiger: Selbsthilfegruppen, Müttertreffs, Therapie jeglicher Couleur, Freundinnen im Dutzend und die Freiheit hoher Telephonrechnungen. Warum also entsteht keine neue Frauenpower? Nur dieses Zierpuppengehabe, diese Menschenverachtung in Richtung Männer. Ja, es stimmt, viele von denen müssen sich noch heftig weiter emanzipieren. Aber viele der jungen Frauen ebenfalls.

Warum gucken sie nicht hin, ehe sie einen Vater für ihre Kinder wählen? Sie haben doch Zeit und Gelegenheit zu testen. Und gute Vaterqualitäten sind auch immer gute Partnereigenschaften. Der Grund: Frauen ist anderes eindeutig wichtiger: Das Sample-Institut hat herausgefunden: Rund 90 Prozent der Frauen haben ein geringes oder gar kein Interesse an den Vaterqualitäten eines Mannes. Wichtiger ist es 39 Prozent, daß Männer gut aussehen, und 12 Prozent, daß sie reich sind. 76 Prozent also bevorzugen die Oberfläche. Und 89 Prozent legen keinen Wert auf die väterliche Einmischung bei der Erziehung.

Monika Maron denkt sich in einem Aufsatz (1997) in Männer hinein und bekommt das Gruseln und tiefes Mitleid mit ihnen: Wegen der “Versorgungsdenkerinnen”, die mit einem Kind und Putzfrau über ihren Full-time-Job als Hausfrau klagen. Wegen der “Erzieherinnen, die mit lüsternen Blicken meinen Charakter und meine Vorlieben durchschaut und dabei denkt: “Den biege ich mir hin”. Wegen der “Sicherheitsfanatikerin, die mich in Lebensversicherungen, Kredite und Bausparverträge einwickelt wie eine Mumie”.

Doch diese Frauen sind eine aussterbende Spezies: klagen, nörgeln, lamentieren, kränkeln ist out. Der innovativste Frauentyp seien die modernen Amazonen, so die Trendforscher. Sie benutzen neue Arbeitsformen, um Berufs-, Privat- und Sozialleben in Einklang zu bringen, auch sind sie offen für andere und das Leid der Welt, sehen über ihren familiären und – besonders wichtig – über den Freundinnentellerrand hinweg, ohne dabei verbissen zu werden, sondern nehmen das Leben mit Humor. Und Humor schließt, Göttin sei Dank, eine kritische Selbstreflektion und genügend Abstand zur eigenen Person unabdingbar mit ein.

Die Autorin ist als Psychotherapeutin in Freiberg und Dresden tätig.

Rezension der Autorin von “Der gebrauchte Mann”

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