Das Petra Prinzip

December 22, 2005

Unsichtbares rosafarbenes Einhorn

Filed under: Beispiel,Literatur — by petraprinzip @ 5:26 pm

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Das unsichtbare rosafarbene Einhorn (engl. invisible pink unicorn, Abk. IPU) ist die weibliche Gottheit einer satirischen Religionsgemeinschaft, die damit theistische Glaubensansichten parodiert. Zentrales Element ist die Einhorngestalt der Göttin, die paradoxerweise sowohl unsichtbar als auch rosafarben sein soll. Die Idee stammt aus der englischsprachigen Newsgroup alt.atheism, wo die Figur zu Anfang der 1990er erstmals erwähnt wird.

Während allgemein angenommen werden darf, dass es keine echten Gläubigen gibt, erreichte das Phänomen doch besonders auf Websites und in Online-Diskussionsforen mit atheistischem Hintergrund eine gewisse Popularität, die einerseits wohl auf dem humoristischen Element beruht, andererseits aber auch auf der beabsichtigten satirischen Kritik am Theismus. Durch das “Bekenntnis” zum unsichtbaren rosafarbenen Einhorn soll auch gezeigt werden, dass es schwierig bis unmöglich ist, den Glauben an Phänomene, die sich außerhalb der gewöhnlichen menschlichen Wahrnehmungsmöglichkeiten befinden, zu widerlegen.

Mit dem unsichtbaren rosafarbenen Einhorn kann auf die schlechte logische Untermauerung des Glaubens an Übernatürliches aufmerksam gemacht werden, beispielsweise durch die bloße Ersetzung des Wortes “Gott” in theistischen Texten durch die Wörter “unsichtbares rosafarbenes Einhorn”. In der FAQ von alt.atheism heißt es dazu:

“Der Sinn dieser Albernheit besteht darin, den Theisten vor Augen zu führen, dass ihre Predigten den Atheisten wahrscheinlich ebenso glaubwürdig und ernsthaft erscheinen, wie ihnen selbst das Predigen des unsichtbaren rosafarbenen Einhorns durch die Atheisten […]”

Inhaltsverzeichnis

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Geschichte

Das IPU wurde offenbar hauptsächlich in der Netzkultur populär: Zusätzlich zu alt.atheism, wo das IPU immer noch oftmals in Diskussionen auftaucht, gibt es einige Webseiten, die sich der Gottheit widmen. Die früheste schriftliche Erwähnung liegt vermutlich zwischen den Jahren 1990 oder 1992 in der Usenetgruppe alt.atheism, wo die Göttin “offenbart” wurde. Aber es gibt auch andere Berichte, nach denen das IPU bereits vor 1990 in Gesprächen thematisiert wurde. Vermutlich war die Gottheit also bereits vor 1990 bekannt.

Das Konzept wurde von 19941995 von einigen CollegeStudenten auf der ISCA Mailbox weiterentwickelt. Die Studenten schrieben ein Manifest (vermutlich inzwischen verloren), das eine detaillierte, unsinnige, aber dennoch innerlich konsistente Religion begründet, die auf einer Mehrzahl unsichtbarer rosafarbener Einhörner basiert. Aus diesem Manifest stammt eines der bekannteren Zitate:

Unsichtbare, rosafarbene Einhörner sind Wesen mit großer spiritueller Macht. Wir wissen dies, da sie fähig sind, gleichzeitig rosafarben und unsichtbar zu sein. Wie alle Religionen basiert der Glaube an das Unsichtbare rosafarbene Einhorn auf Glauben und Logik, wir glauben, dass es rosafarben ist, aber logisch betrachtet wissen wir, dass es unsichtbar ist, da wir es nicht sehen können.” – Steve Eley

Eleys Manifest erklärte einige weitere absonderliche Aspekte des Glaubens an das IPU, wie zum Beispiel die Vorliebe für Rosinenbrot (symbolisiert das sich ausbreitende Universum) und die Verbindung zu verlorenen Socken. Eley nannte sich selber den “Obersten Advokat und Sprecher” der Religion und benannte eine Reihe von Hohepriestern, gemäß der Überzeugung, dass der, der die Evangelien schreibt, die wahre Macht innehat und auch niemals gemartert wird. Die erste dieser Hohepriesterinnen war Natalie Overstreet, die auch obiges Zitat durch ihre Usenet-Signatur bekannt machte.

Glaubenssätze

Üblicherweise wird bei der Diskussion über das Einhorn darauf verwiesen, dass wegen seiner Unsichtbarkeit niemand seine Nichtexistenz beweisen könne. Die beiden definierenden Eigenschaften “Unsichtbarkeit” und “Rosa Farbe” sind inkonsistent und widersprüchlich, was Teil der Satire ist.

Es gibt unter den vorgeblichen Anhängern Dispute um weitere Attribute des unsichtbaren rosafarbenen Einhorns, so beispielsweise darum, ob die Unsichtbarkeit etwa nur für diejenigen bestehe, die nicht an das Einhorn glauben. In diesen teilweise verschlungenen Debatten wird oft kunstvoll argumentiert, wodurch die Ernsthaftigkeit der komplizierten theologischen Dispute verschiedener Religionen parodiert wird. Konsens besteht meist gerade über die für eine Göttin am unpassendsten erscheinenden angeblichen Eigenschaften. So soll das Einhorn eine Vorliebe für Pizza mit Schinken und Ananas pflegen. Einige Vegetarier bestreiten dies jedoch und behaupten, die Göttin ziehe Pilze dem Schinken vor, über die Ananas besteht jedoch weitgehende Einigkeit. Ebenso gilt als allgemein anerkannt, dass das unsichtbare rosafarbene Einhorn Peperoni verschmäht.

Eine andere von den meisten Anhängern geteilte Auffassung ist die, dass das unsichtbare rosafarbene Einhorn Socken “entrückt”. Dies soll die Erklärung für das anders angeblich unerklärbare Verschwinden von Socken sein. Das Verschwinden von Socken aus der Wäsche wird von “Gläubigen” als Zeichen der Zuneigung der Göttin intepretiert, von anderen aber auch als Zeichen ihrer Missgunst. Für einige kommt es auf die Art der entrückten Socken an. Skeptiker empfehlen jedoch, den Grund für die verschwundenen Kleidungsstücke in der Waschmaschine zu suchen.

Die Stelle, die in den abrahamitischen Religionen vom Teufel eingenommen wird, besetzt im religiösen Weltbild der Einhorngläubigen die Lila Auster.

“Und ich sah die Unwürdigkeit in IHREN Augen, denn ich war ein Sünder, verdammt dazu, mein Dasein in Gegenwart der unheiligen Lila Auster zu fristen, ihre Schale zu bohnern und ihre verachtenswürdigen, schleimigen Füße zu massieren. Denn sie hat wahrlich Füße und auch Beine und Zehen, die ihr Herrschaft verleihen über die Muscheln des Meeres und ihr erlauben, zu den Kindern des Menschengeschlechts zu wandeln, um sie bis zur Zerstörung zu verführen.”
— Die Offenbarung von Sankt Bryce dem Langgewundenen (Teilweise), Kapitel 1, Vers 9 – 11

Die Lila Auster (engl. Purple Oyster, manchmal Purple Oyster of Doom) soll einmal ein Diener des unsichtbaren rosafarbenen Einhorns gewesen sein, der verstoßen wurde, als er Gläubige zur ketzerischen Ansicht verführt habe, dass Peperonipizza mit Pilzen der Göttin besser gefalle als solche mit Ananas und Schinken. Am Letzten Tage, dem “Tag von Hafer und Heu”, erwarten die Anhänger des Glaubens die Beilegung der Feindschaft und den Wiedereintritt der Auster in die Dienste der Göttin.

Ungläubige soll das unsichtbare rosafarbene Einhorn laut Eleys Manifest angeblich mit Stichen ihres Horns strafen. Insektenstiche, die üblicherweise auf Stechmücken zurückgeführt werden, würden nicht von diesen verursacht. Die Mücken umschwirrten lediglich die Göttin und stächen nicht selbst.

Ikonographie

Leere Bilder werden oft als Darstellungen des unsichtbaren rosafarbenen Einhorns verwendet, um seinen Aspekt der Unsichtbarkeit visuell zu betonen.

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Leere Bilder werden oft als Darstellungen des unsichtbaren rosafarbenen Einhorns verwendet, um seinen Aspekt der Unsichtbarkeit visuell zu betonen.

Darstellungen des unsichtbaren rosafarbenen Einhorns zeigen üblicherweise entweder ein verblassendes rosa Fabeltier oder schlicht nichts. Auf Fotos von “Sichtungen”, die als Scherz im Web veröffentlicht wurden, ist stets nichts anderes zu erkennen als eine unspektakuläre Ansicht des Ortes, an dem die Sichtung angeblich stattgefunden haben soll – die Göttin selbst ist immer “unsichtbar”.

Benutzer von alt.atheism entwarfen auch ein [Logo[1]] mit einem stilisierten Einhornkopf. Verschiedene Anbieter vertreiben mittlerweile T-Shirts, Kaffeetassen und andere Artikel mit diesem Zeichen. Ein Anbieter dieser Artikel beschreibt das Einhornlogo als subtiles Mittel für Atheisten, um Gesinnungsgenossen zu erkennen, ohne ein Zeichen verwenden zu müssen, das religiöse Menschen kränken könnte.

Der Name des unsichtbaren rosafarbenen Einhorns wird im scherzhaften Diskurs stets von bekräftigenden Beiworten begleitet, was an die islamische Sitte erinnert, den Namen der Propheten Eulogien beizufügen. Diese werden oft abgekürzt. Es folgen verbreitete Formeln mit ihren Übersetzungen und Abkürzungen.

  • “Blessed Be Her Holy Hooves” (“Gesegnet seien Ihre Heiligen Hufe”) / bbhhh
  • “Peace Be Unto Her” (“Frieden Sei Mit Ihr”) / pbuh
  • “May Her Hooves Never Be Shod” (“Mögen Ihre Hufe Niemals Beschlagen Werden”) / mhhnbs

Ähnliche Phänomene

Der Wissenschaftsautor Carl Sagan entwickelte in seinem Essay Der Drache in meiner Garage die Idee eines unsichtbaren Drachen, der hitzeloses Feuer spucke.

Von der US-amerikanischen Freidenkerbewegung ist bekannt, dass im Unterricht ihrer Sommerlager zu vergleichbaren religionskritischen Zwecken ein hypothetischer “unsichtbarer grüner Drache” diskutiert wird.

Siehe auch

Weblinks

Das Phänomen der Unfähigkeit

Filed under: Argument — by petraprinzip @ 2:25 pm

Unfähigkeit können wir überall beobachten. Es gibt unfähige Lehrer, unfähige Richter, Beamte, Handwerker, Ärzte oder Manager. Unfähigkeit ist nicht auf einen bestimmten Beruf beschränkt. Dabei erwecken unfähige Menschen, besonders wenn sie auf einer höheren Stufe der Hierarchie stehen, oft den Eindruck, als ob sie stets genau wüßten, was sie tun und daß sie stets das Richtige täten.

Bei näherem Hinsehen stellt man jedoch fest, daß sie keine Ahnung von ihrer eigentlichen Aufgabe haben und sich in Nebensachen verlieren oder daß sie grandiose Fehlentscheidungen treffen, die oft genug nur deshalb nicht zu ihrer katastrophalen Wirkung kommen, weil der unfähige Chef fähige Mitarbeiter hat, die seine Entscheidungen in die richtigen Bahnen lenken, ohne daß er es merkt.
Peter hat viele Beispiele für das Phänomen der Unfähigkeit gesammelt und analysiert. Dabei stellte er fest, daß alle Fälle gewisse Gemeinsamkeiten aufwiesen. Alle Personen, die er beobachtete. waren in einer Position, die sie voll und gut ausfüllten. Weil sie sich als fähig erwiesen, wurden sie befördert und nahmen dann eine Stellung ein, für die sie unfähig und ungeeignet waren.

Aus diesen Beobachtungen von vielen hundert Fällen formulierte Peter sein Prinzip

Das Peter-Prinzip,

Filed under: Argument,Bild — by petraprinzip @ 2:24 pm

Das Peter-Prinzip

Das Peter-Prinzip, ist nach seinem Erfinder Laurence J. Peter benannt, es beschreibt die Gesetzmäßigkeiten und Ursachen für die in aller Welt herrschende Unfähigkeit.

Laurence J. Peter


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Zurück ins Jahr 1966

Filed under: Beispiel,These — by petraprinzip @ 1:25 pm

Schön geschriebener Beitrag im Brigitte Blog: Permalink

Die Mode anno 1966? Geschenkt, kein Grund zur Klage. Einige Teile sehen richtig trendy aus, der Sixties-Look ist zweifelsfrei auch heute noch sehr salonfähig. Zwei Brigitte-Modelle (damals noch zum Selberschneidern) gibt es auch, eins in Größe 36, und eins in Größe 46. Auch die BRIGITTE-Typberatung gab’s damals schon. Im Partyheft werden zweieiige Zwillinge beraten, die 19 sind und wie 39 aussehen (vorher), nachher immerhin wie Anfang 30. Ähnlich altbacken die Rezepte für eine gelungene Party, die ich im Eiltempo durchblätterte. Leckereien wie die “Italienische Eierplatte” oder der “Zigeunersalat” eignen sich heut zu Tage höchstens für eine Retro-Party.

Auch die Erzählung “Du kannst kein Leben lang ein kleines Mädchen sein” (fast 30 Seiten!) konnte mein Interesse nicht so recht wecken. Dafür aber die Brigitte-Runde: “Acht gesellige Damen und Herren sprechen über ihre Erfahrungen auf Partys”. Vier Männer, vier Frauen. Alle Männer berufstätig, alle Frauen Hausfrauen. Klar, was sonst. Noch keine 40 Jahre her, und doch kündet diese Runde von einer tatsächlich längst untergegangenen Zeit, als Frauen schlicht keinen Beruf ausübten, stattdessen über den Job ihres Ehegatten definiert wurden, und das auch total normal war. Ich zitiere aus dem Steckbrief einer der Damen: “Vera H., Hausfrau, Fünfeinhalb-Zimmer-Wohnung. Ihr Mann ist Schiffsmakler.” Sie sagt über Party-Gäste: “Wenn die Männer sich über ein berufliches Thema unterhalten wollen, sollen sie zu diesem Zweck einen Herrenabend veranstalten.” Frauen verstehen davon ja nix… Wie auch, denn ein paar Seiten weiter folgt eine Reportage mit dem Titel “Kein Heim ersetzt die Mutterliebe!”. Selten war ich Alice Schwarzer so dankbar wie gestern abend. (more…)

December 20, 2005

Das Dilbert-Prinzip

Filed under: Argument,Beispiel,Literatur,These — by petraprinzip @ 12:41 pm

Hier gibt es die ersten Nachfolgeprinzipien 😉

http://de.wikipedia.org/wiki/Dilbert-Prinzip

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Die Bezeichnung “Dilbert-Prinzip” rührt von der Comic-Serie Dilbert her und taucht erstmals 1994 in einem Artikel des Dilbert-Schöpfers Scott Adams im Wall Street Journal auf. Adams führte seine Studien zum Dilbert-Prinzip in einem Buch gleichen Titels aus, das in manchen BWL– und MBA-Studienprogrammen zur Pflichtlektüre gehört.

Das Dilbert-Prinzip ist eine Abwandlung des bekannteren Peter-Prinzips von Laurence J. Peter und Raymond Hull. Nach der Theorie des Peter-Prinzips steigt jeder Beschäftigte bis zu einer Stufe im Unternehmen auf, deren Anforderungen er nicht mehr gewachsen ist. Der Aufstieg erfolgt, weil die Person auf der bisherigen Stufe erfolgreich war.

Das Dilbert-Prinzip dagegen behauptet, die ineffizientesten Arbeiter würden unverzüglich ins Management versetzt, wo sie den geringsten Schaden anrichten könnten. Dadurch verfügt die Person im Management weder über die notwendigen sozialen Eigenschaften eines Managers, noch über die fachlichen Kenntnisse bezüglich des von ihr gemanagten Bereiches. In dieser tragischen Situation wird der auch von persönlichen Marotten gebeutelte Mensch in seiner Hilflosigkeit ganz zum Medium der übergeordneten Zwänge – dem Markt, dem Kunden, dem Vorgesetzen.

In seinem Buch Das Dilbert-Prinzip versucht Scott Adams an verschiedenen realen Beispielen nachzuweisen, dass das Dilbert-Prinzip sich immer weiter durchsetzt, obwohl es bestimmt nicht von den einzelnen betroffenen Personen beabsichtigt ist.

Hübsche Darstellung auch hier

Filed under: Beispiel,Literatur — by petraprinzip @ 12:37 pm

http://renephoenix.de/index.php?bid=836

Das Peter-Prinzip (23.01.2005, 18:00)

Am vergangenen Mittwoch hatten wir im Fach Management-Techniken einen sehr interessanten Vortrag von Katja Brunner – und zwar ging es um das Peter-Prinzip von Laurence J. Peter.

Er untersuchte, warum es in vielen Berufen unfähige Menschen gibt – und das völlig unabhängig von der Branche. Egal ob Richter, Ärzte, Handwerker oder Manager, alle sind davon betroffen. Das Phänomen tritt insbesondere bei höheren Stufen einer Hierarchie auf. Meistens erwicken die Betroffenen, daß sie alles wüßten und in der Hand haben, werden aber meist von den unteren Schichten in die richtige Bahn koordiniert. Die zentrale Aussagen, die Peter dazu machte:

In einer Hierarchie neigt jeder Beschäftigte dazu, bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit aufzusteigen.

Das Dramatische: wir können uns diesem Prinzip nicht entziehen, denn wir leben alle in einer Hierachie. In dieser haben wir eine bestimmte Position. Er teilt die Menschheit in drei Stufen:

  • unfähige Menschen (diese haben die Stufe der Unfähigkeit bereits erreicht)
  • mäßig befähigt (sind für Beförderung geeignet)
  • sehr befähigt (sind zwar für Beförderung sehr geeignet, stellen aber eine Gefahr dar)

Ist man also prinzipiell qualifiziert, so wird man in die nächsthöhere Stufe befördert. Dieses Spiel geht so weiter, bis man in einer Position ankommt, in der man überfordert bzw. unfähig ist. Folglich kann man auch nicht weiter befördert werden. Das System hört also eine Stufe zu spät auf – und Rückstufungen sind in der Praxis selten anzufinden. Noch einmal für Informatiker:

foreach (mensch)
{
while (mensch == fähig)
{
befoerderung(mensch);
}
}

Peters Fazit:

Nach einer gewissen Zeit wird jede Position von einem Mitarbeiter besetzt, der unfähig ist, seine Aufgaben zu erfüllen.

Wer also bereits diese Stufe erreicht hat, hat keine Ahnung von den eigentlichen Aufgaben – und verliert sich in Nebensachen.

Die Arbeit wird von den Mitarbeitern erledigt, die ihre Stufe der Inkompetenz noch nicht erreicht haben.

Nun blieben im Grunde genommen nur noch die Frage der besonders fähigen Mitarbeiter. Doch sie scheiden meist sehr früh aus, denn die Super-Kompetenz gefährdet diese Hierarchie. Dadurch ist eher mit Entlassung als mit Beförderung zu rechnen.

Daneben gibt es noch weitere Nebeneffekte:

  • Geräuschlose Sublimierung (Pseudo-Beförderung, er bleibt auf der selben Ebene und der externe Beobachter wird getäuscht. Mögliche Ursachen: Vertuschung von Mißerfolgen, Stimulanz des Betriebsklimas (»wenn der befördert wird, habe ich auch Chancen«), Schutz der Hierarchie)
  • Seitliche Arabeske (ebenso Pseudo-Beförderung, kein höher Rang, evtl. längerer Titel. Ist in großen Hierarchien sehr leicht möglich)
  • Peters Umkehrung / Inversion (Personen, die stets alles korrekt und genau machen, sind Bedarfsautomaten. Für den externen Bebachter sind sie unfähig. Aber intern funktioniert die Zusammenarbeit – unabhängig von der Leistung, daher ist eine Beförderung möglich)
  • paternalistische Zugang (Neuer Mitarbeiter bekommt sofort einen hohen Posten, häufig bei Familienunternehmen auffindbar, wenn Nachwuchs plötzlich das Geschäft leiten soll. Er erreicht somit schneller diese Stufe.)

Nun ist das Individum meist mit einer Stufe unzufrieden – und will befördert werden. Peter nennt ein paar Möglichkeiten, dies zu beschleunigen. Das Vitamin B spielt eine große Rolle, insbesondere zu Menschen, die in der Hierarchie darüber stehen und für den Aufstieg behilflich sein können. Der Ehrgeiz spielt dabei ebenso eine Rolle. Er funktioniert nur, wenn es kein »Dienstalterprinzip« gibt.

Jedoch haben ehrgeizige Menschen meist ein Problem: das Erfolgssyndrom – spürbach an Nervenzusammenbrüchen, Magengeschwüren und Schlaflosigkeit. Entweder es ist ein Pseudo-Erfolgs-Syndrom, weil man noch Karrieresprünge vor sich hat – oder es ist das Endplatzierungssyndrom, falls die Stufe der Inkompetenz erreicht ist.

Im Detail nennt er folgende Erscheinungen:

  • Phonophilie (kontaktschwache Persönlichkeit, die sich in Telefonen verzetteln)
  • Papyrophobie (Papier erinnert ihn an Arbeit. Also kann er es nicht leiden, welches auf seinem Schreibtisch zu haben)
  • Papyromanie (Viel Papier macht stark den Eindruck, daß man mehr zu tun hat, also häufen sich die Berge)
  • Ordnungswahn (Vorgänge und Akten werden sortiert, aber nicht erledigt. Sehr vergangenheitsbezogen)
  • Tabula-Gigantismus (Streben nach dem größten Schreibtisch)
  • Rigor cartis (Jeder Geschäftsvorfall muß in Richtlinien, Weisungen oder Ablaufdiagrammen eingeordnet werden)
  • Wanken und Wackeln (Probleme werden stehen gelassen, bis sie sich erledigt haben – oder zu spät sind)
  • Structurophilie (Bauwut, zwanghafte Beschäftigung mit Umbaumaßnahmen, aber ohne den Blick, was damit bezweckt wird)

Peter nennt zwei Maßnahmen, mit der sich der einzelne Mensch wehren kann:

  • Schöpferische Unfähigkeit (man ist fähig, stellt sich aber unfähig, ohne daß diese gespielte Unfähigkeit erkannt wird – dann wird man nicht befördert)
  • Direkte Ablehnung der Beförderung (kann als Undankbar empfunden werden)

Aus Sicht des Managment gibt es folgende Strategien, dem Peter-Prinzip entgegenzuwirken

  • klare Trennung zwischen Leistungsbeurteilungen an einem Arbeitsplatz – und Potentialbeurteilungen
  • Erstellung eines Anforderungsprofils, welches mit dem Potentialprofil abgeglichen wird.
  • externe Begutachter
  • auch Abwärtsmobilität berücksichtigen (z.B. Beförderung auf Zeit)
  • besonders fähige Leute, die wichtige Leistungen erbringen, zwar befördern (mehr Geld, besserer Titel), aber das bisherige Tätigkeitsgebiet erhalten lassen.

Ob eine Person bereits die Stufe der Inkompetent erreicht hat, kann man einfach diagnostizieren, Man stellt einfach die Frage, ob die betreffende Person überhaupt noch eine nützliche Arbeit leistet. Nun kann die Antwort wie folgt lauten:

  • Ja -> kann noch befördert werden (Pseudo-Erfolg)
  • Nein -> Stufe der Inkompetenz erreicht (Endplazierung)
  • weiß nicht -> man hat selber diese Stufe erreicht

Insgesamt ist das Peter-Prinzip mit Satire zu verstehen – und liefert die Erklärung für viele Beobachtungen aus der Praxis. Der Ausgangspunkt ist stets die falsche Beförderung – und die Hierarchie. Daher sollte man stets selbstkritisch prüfen, ob man eine neue Position auch ausfüllen kann.

Weiterführende Informationen:

Gefundene Meinungen zum Peter-Prinzip:

  • Kassandra meint: »Es gibt Menschen, die ihre Stufe der Inkompetenz mit ihrer Geburt erreicht haben«
  • »Einmal gehört, kann man das Peter-Prinzip nie wieder vergessen.« (Das stimmt 😉 )

Bisherige Kommentare

Kathi (23.01.2005, 18:49)

jaja das peter-prinzip…das is ja so ne sache…die stufe der inkompetenz….da gibt es ja dann viele arten wie sich das äussern kann…z.B. durch Papyrophile, Papryomanie, Tabula Gigantismus etc….ich finds auf jedenfall spannend sich ma damit zu beschäftigen….

[Pablo] (24.01.2005, 14:26)

Wirklich sehr interessant… Das letzte Zitat wird wohl auf mich zutreffen werden 😉

[Sahanya] (24.01.2005, 17:34)

Schön, dass die eigenen Beobachtungen mal durch eine wissenschaftliche Theorie gestützt werden.

Kathi ausm westen (27.01.2005, 17:13)

das hast du aber schön weitergeführt..findsch richtig gut…..

RatzePeng (28.01.2005, 20:58)

http://de.wikipedia.org/wiki/Dilbert-Prinzip

[T$] (28.01.2005, 21:19)

Da hats schön viele subtile Seitenhiebe drin… gefällt mir ;D

Aber sag mal, die Schleife sieht mir falsch gebaut aus: Jemand, der schon von Anfang an unfähig genug ist, wird eigentlich überhaupt nicht befördert ^^

[René] (29.01.2005, 00:13)

@T – genau. Aber do-while verstehen dann doch eher die Nichtinformatiker 😉

nexes (26.02.2005, 10:30)

man könnte das ganze ja in einem thread verpacken. zwei parallel laufende angestellte einer fähig einer schon von anfang an unfähig, dann noch einen C2 Test drüber laufen lassen und die frage ob man überhaupt befördert wird wenn man von anfang an unfähig ist ist sogar empirisch bewiesen 😉

Das Ende der Frauenbewegung

Filed under: Abschnitt,Argument,Beispiel,These — by petraprinzip @ 11:57 am

“Emma und ihre Schwestern” – das neue Buch von Katharina Rutschky

Ende der 60er Jahre entwickelte sich aus der Studentenrevolte die deutsche Frauenbewegung. Die Autorin Katharina Rutschky schreibt heute: “Diese Bewegung hat sich totgesiegt, es gibt keinen Grund, sich zu freuen – um die Diskussion neu anzuregen, müssen auch neue Parolen her”.

Vor dreißig Jahren verlangten Feministinnen lautstark und nachdrücklich ihr Recht auf Selbstbestimmung. Sie attakierten die Vorherrschaft der Männer – wollten das Patriarchat abschaffen. Frauen wurden unberechenbar, entwickelten Parolen, mit denen sich Leidensgenossinnen identifizieren konnten, erklärten das andere Geschlecht zum Feindbild. Das Fürchten sollten sie lernen, denn bislang waren Frauen potentielle Opfer und Männer die potentiellen Täter – Zeit, dies zu ändern. Rutschky

Der Kampf gegen den Abtreibungsparagraphen 218 sorgte für Aufsehen – 1971 druckte der “Stern” ein Titelblatt, auf dem Frauen bekannten: Ich habe abgetrieben. Es war völlig neu, über dieses Thema öffentlich zu reden – ein Tabubruch. Die Frauen forderten, über ihren Körper selbst zu bestimmen. Alice Schwarzer gründete die Zeitschrift EMMA und ist seitdem eine der prominentesten und engagiertesten Frauen, die aus dieser Bewegung hervorging. Die Por-No-Kampagne der Emma-Redaktion entfachte die Diskussionen um Pornographie und sexuelle Freiheit. Wieder wurde ein Thema angesprochen, über das besser nicht geredet werden sollte. Frauen verlangten in allen Bereichen Gleichberechtigung – wollten es den Männern gleichtun und endlich die Rolle, die ihnen geschichtlich zugedacht war, aufbrechen. Und die Männer, die es gewohnt waren, für ihre Familie zu sorgen, sich der Frau überlegen zu fühlen und die ihre Männlichkeit notfalls im Krieg unter Beweis stellen konnten – ihnen fiel es schwer, sich mit der Gleichberechtigung der Geschlechter anzufreunden.

Heute ist das etwas anders: Frauen im Berufsleben sind keine Ausnahme mehr, Frauen, die abgetrieben haben auch nicht. Sie sind in der westlichen Welt grundsätzlich anerkannt, haben alle Freiheiten. Anders ausgedrückt: die Emanzipation ist gesellschaftsfähig geworden – wird in ihren Grundprinzipien nicht kritisiert, denn schon lange werden die Rechte der Frau nicht mehr in Frage gestellt. Doch dies ist auch das Ende der Frauenbewegung. Heute kämpfen die Frauen nicht mehr, heute beschweren sie sich. Sie klagen über Doppelbelastung, mangelnde Anerkennung, Quotenregelungen, sie vermissen den Respekt – empfinden Neid auf das, was Männer haben.

Buchtitel Um die Diskussion neu zu entfachen, müssen auch neue Parolen her. Nun müssen Frauen von ihrer – wie Katharina Rutschky es ausdrückt – “Differenztheorie” Abschied nehmen. Nicht die Männer- oder Frauenwelt sollte angestrebt werden, die Geschlechter müssen sich annähern. Und das ist es, worauf die Frauen der 90er bestehen müssen: sie sollen nicht genauso wie die Männer werden, nicht Männer durch Frauen ersetzen, sie sollen anders bleiben, doch mit den gleichen Rechten und Möglichkeiten. Erst dann, wenn es nicht mehr nötig ist über die Frauenbewegung, deren Sinn und Unsinn, über Quoten oder Gleichberechtigung zu reden oder Männer ihre Zustimmung geben wie “Ich finde es schon in Ordnung, daß Frauen für ihre Rechte kämpfen, ich habe nichts gegen eine Frau in Führungspositionen”, dann ist es geschafft. Andererseits sollten Frauen aber auch nicht mehr vor Bewunderung schreien, wenn ein Mann alleine seine Kinder großzieht, den Haushalt bewältigt und auch noch beruflich erfolgreich ist.

Literaturhinweis: Katharina Rutschky, “Emma und ihre Schwestern”, erschienen bei Hanser / John Gray, “Männer sind anders – Frauen auch”

4. Februar 1999

Sieben Wege zur Effektivität. übersetzt und kommentiert von A. Kalt

Filed under: Argument,Beispiel,These — by petraprinzip @ 11:28 am

Ein Konzept zur Meisterung ihres beruflichen und privaten Lebens

Stephen Covey beschreibt “sieben Wege zur Effektivität”. Diese basieren auf der Grundlage unveränderlicher Prinzipien, die er als Naturgesetze menschlichen Zusammenlebens sieht. Covey nennt dies die Charakterethik und stellt sie der Persönlichkeitsethik gegenüber. Er stellt fest, dass die Persönlichkeitsethik danach trachtet, nach außen hin gut zu wirken während die Charakterethik anstrebt, von innen heraus gut zu sein. Eine anschauliche Metapher dafür ist das “Sich-Durchmogeln”: in vielen gesellschaftlichen Situationen kann man mit dieser Strategie recht weit kommen. Im natürlichen Umfeld eines Bauerhofs ist es jedoch völlig undenkbar, sich durchzumogeln. Wenn man im Frühjahr nicht gesät hat, wird man im Herbst nichts ernten. Wenn man die Saat nicht pflegt, keine Arbeit investiert, wird es keinen Ertrag geben.

Covey sieht menschliches Zusammenleben ähnlich. Kurzfristig mag man mit oberflächlichen Persönlichkeitsstrategien Erfolge erzielen, doch auf lange Sicht und wenn man alle Aspekte des Lebens betrachtet, bringt nur ein auf Prinzipien gründender Charakter nachhaltigen Erfolg und Zufriedenheit. Das ist es, was Stephen Covey Effektivität nennt.

Ein wichtiger Aspekt bei der Suche nach Effektivität ist die Art, wie wir die Welt wahrnehmen. Covey spricht von unseren Paradigmen und vergleicht sie mit Landkarten. Wir wissen, dass eine Karte nicht das Gelände ist. Sie ist eine interpretierende Darstellung des Geländes. Und sie ist nur dann von Nutzen, wenn sie das Gelände hinreichend genau wiedergibt. Angenommen, wir sind in Frankfurt und suchen eine bestimmte Straße. Versehentlich wurde unser Stadtplan falsch beschriftet: es ist ein Plan von Köln, auf dem lediglich Frankfurt draufsteht. Was könnten wir nun tun, um unser Ziel zu finden? Wir könnten an unserem Verhalten arbeiten: uns mehr anstrengen, schneller gehen. Wir könnten auch an unserer Einstellung arbeiten: das Problem positiver sehen. Wir wäre trotzdem ohne Chance, unser Ziel zu erreichen, denn diese Strategien – Metaphern für die Persönlichkeitsethik – greifen zu kurz.

So lange wir nicht die richtige Karte haben, kommen wir nicht voran. Und die richtige Karte der Welt beruht auf grundlegenden Prinzipien. Covey unterscheidet Karten (Paradigmen), die ausssagen, wie Dinge sind – das sind unsere Vorstellungen von der Realität – und Karten, die sagen, wie Dinge sein sollten – das sind unsere Wertvorstellungen.

Eine grundlegende Einsicht ist die, dass keine zwei Paradigmen gleich sind. Jeder Mensch hat durch seine Erziehung und seine Erfahrungen andere Karten zur Verfügungen, mit denen er sich in der Welt orientiert. Der wichtige Punkt ist, dass zwei Interpretationen der selben Situation unterschiedlich sein können, ohne dass eine zwangsläufig falsch ist. Die Wirklichkeit ist nicht objektiv. Sie entsteht durch Interpretation. Und: keine Karte ist in Stein gemeißelt. Wir können unseren freien Willen dazu nutzen, unsere Karten umzuarbeiten, so dass sie der Landschaft der grundlegenden Prinzipien besser entsprechen. Das nennt Covey einen Paradigmenwechsel.

Was sind diese Prinzipien, von denen nun schon mehrfach die Rede war? Covey benutzt die Metapher des Leuchtturms, um sie zu beschreiben. Ein Leuchtturm steht fest an einer Stelle und Schiffe finden ihren Weg aufgrund seines Lichts. Prinzipien sind Naturgesetze in der Dimension menschlichen Zusammenlebens. Sie sind unabhängig von Weltschauungen und ihre Gültigkeit erschließt sich mühelos.

Ein Prinzip ist Fairness. Auf der Idee der Fairness beruhen die Vorstellungen von der Gleichheit der Menschen und der Gerechtigkeit. Es gibt große Unterschiede darin, wie genau man Fairness definiert, aber die Idee der Fairness ist universell.

Weitere Prinzipien sind Integrität und Ehrlichkeit. Sie bilden die Basis für Vertrauen und Kooperation, für zwischenmenschliche Beziehungen.

Menschenwürde ist ein weiteres unverrückbares Prinzip, das praktisch universell anerkannt ist. Dienen ist ein weiteres: die Idee, etwas zu einem Ganzen beizutragen.

Die Vorstellung von Potential gehört ebenfalls in den Katalog der Prinzipien: sie beinhaltet, dass wir sozusagen “embryonisch” sind und die Möglichkeit haben, zu wachsen, Talente und Fähigkeiten zu entwickeln. Eng damit verbunden sind Prinzipien wie Geduld, Ermunterung und Fürsorge.

Diese Prinzipien sind keine Werte. Prinzipien sind das Gelände, Werte sind Landkarten.

Wichtig ist es zu erkennen, dass unsere Karten für uns die Realität sind. So, wie wir ein Problem wahrnehmen, so ist es. Daraus folgt, dass allein in einer veränderten Wahrnehmung ein enormes Potential steckt. Covey fordert die Leserin auf, sich nicht mit Oberflächlichkeiten aufzuhalten, nicht zu versuchen, schneller zu gehen oder die Lage positiver zu sehen. Er fordert den Leser auf, die eigenen Landkarten an die Landschaft der Prinzipien anzugleichen und sich an diesen zu orientieren. Darin sieht er die einzige Möglichkeit, zu nachhaltigem Erfolg, zu Effektivität zu gelangen. Die “Wege”, die er anschließend formuliert, gießen diese Forderung in eine anschauliche und einleuchtende Form.

Die “7 Wege” in Kürze

  1. Proaktiv sein-Prinzipien der persönlichen Vision
  2. Mit dem Ziel vor Augen beginnen-Prinzipien der persönlichen Führungsstärke
  3. Wichtigem den Vorrang geben-Prinzipien des persönlichen Managements
  4. Beiderseitigen Vorteil suchen-Prinzipien zwischenmenschlicher Führungsstärke
  5. Zuerst verstehen, dann verstanden werden-Prinzipien empathischer Kommunikation
  6. Synergien suchen-Prinzipien kreativer Kooperation
  7. Die Säge immer wieder schärfen-Prinzipien ausgeglichener Selbsterneuerung

Umschlagtext über das Buch

In The 7 Habits of Highly Effective People, author Stephen R. Covey presents a holistic, integrated, principle-centered approach for solving personal and professional problems. With penetrating insights and pointed anecdotes, Covey reveals a step-by-step pathway for living with fairness, integrity, honesty, and human dignity-principles that give us the security to adapt to change and the wisdom and power to take advantage of the opportunities that change creates.

Umschlagtext über den Autor

Stephen R. Covey, husband, father, and grandfather, is an internationally respected leadership authority, family expert, teacher, organizational consultant, founder of the former Covey Leadership Center, and co-chairman of Franklin Covey Company. He has made teaching Principle-Centered Living and Principle-Centered Leadership his life’s work. He holds an MBA from Harvard and a doctorate from Brigham Young University, where he was a professor of organizational behavior and business management, and also served as director of university relations and assistant to the president. Für more than thirty years he has taught millions of individuals and families and leaders in business, education, and government the transforming power of principles or natural laws that govern human and organizational effectiveness.

Dr. Covey is the author of several acclaimed books including The 7 Habits of Highly Effective People, which has been at the top of the best-seller lists für over seven years. More than ten million copies have been sold in twenty-eight languages and seventy countries. His books Principle-Centered Leadership and First Things First are two of the best-selling business books of the decade.

Dr. Covey and other Franklin Covey authors, speakers, and spokespersons, all authorities on leadership and effectiveness, are consistently sought by radio and television stations, magazines, and newspapers throughout the world. Among recent acknowledgements, Dr. Covey has received the Thomas More College Medallion für continuing service to humanity, the Toastmaster’s International Top Speaker Award, Inc. magazine’s National Entrepreneur of the Year Lifetime Achievement Award für Entrepreneurial Leadership, and several honorary doctorates. He has also been recognized as one of Time magazine’s twenty-five most influential Americans.

Stephen, his wife, Sandra, and their family live in the Rocky Mountains of Utah.

http://www.andreas-kalt.de/lesen/seven-habits

Was eigentlich will das Weib?

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Der regierende Feminismus ist erstarrt: Noch immer sieht er Frauen nur als Opfer / Essay von Mariam Lau

Nehmen wir an, dem Besucher einer fernen Galaxie fiele ein Bündel von Verlautbarungen unserer Frauenpolitikerinnen in die Hände, und er versuchte, aus diesem ein Bild von der Lage der Frau zu konstruieren: Er käme zu katastrophalen Ergebnissen. Gerade hat unter dem Vorsitz von Frauenministerin Christine Bergmann eine Konferenz zum Thema “Gewalt gegen Frauen ­ Maßnahmen zur Bekämpfung von häuslicher Gewalt” in der europäischen Union begonnen. In einem Interview kommentierte die Ministerin, der Schutz des Staates dürfe künftig nicht mehr vor der Haustür haltmachen.

Unser Marsianer übersetzt sich diese Perspektive in eine Schreckensvision: Überall da, wo es keine öffentliche Kontrolle gibt, sind Frauen potentielle Opfer von Gewalt; je privater die Situation, desto gefährlicher. Also: Das vor kurzem durchgeboxte Gesetz gegen Vergewaltigung in der Ehe, für das man sich in frauenpolitischen Kreisen noch immer auf die Schulter klopft, hat nicht ausgereicht; es braucht wohl einen direkten staatlichen Zugriff auf die Wohnung, der dann womöglich auch nicht mehr lange auf eine Anzeige durch die betroffene Frau warten muß, sondern aus eigenem Antrieb tätig werden kann. Man weiß ja, wie eingeschüchtert Frauen durch jahrelange Gewaltverhältnisse sind . . .

Nirgends kommt die trostlose Lage der Frauenbewegung, 30 Jahre nach ihrer Entwicklung aus dem Schoß der Studentenbewegung, deutlicher zum Ausdruck als in der verzweifelten Konzentration auf etwas derart Vages, Metaphorisches und Beliebiges wie “Gewalt”. Ihr sind die Themen ausgegangen. Angesichts einer durchgesetzten rechtlichen Gleichstellung, der es aber nicht gelungen ist, alle Wirkungen des Geschlechtsunterschiedes zu überwinden, weiß sie nicht mehr: Was will das Weib? Sie will es auch gar nicht wissen. Wie eine in Bernstein gefangene Fliege ist das “Bewegte” an ihr geronnen zu einem starren Apparat von Frauenbeauftragten, Gleichstellungsbeamtinnen und Ministerinnen, die nicht mehr anders können, als sich ihre Klientel als Opfer vorzustellen. Wer Gewalt gegen Frauen nicht für das Thema hält, ist ihr bereits zum Opfer gefallen oder ein Kollaborateur, der drüben bei den Männern Karriere machen will.

Der Begriff der Gewalt wird hier bis zur Lächerlichkeit gedehnt. In dem berühmtesten aller Frauenratgeber, “Unser Körper, unser Leben”, heißt es beispielsweise: “Gewalt gegen Frauen ist eine alltägliche Erfahrung. Die Anmaßung, mit der Männer auf der Straße Frauen begegnen, ist ebenso ein Zeichen für ihren Machtanspruch wie die zahlreichen realen oder Phantasiebilder, mit denen wir in Fernsehsendungen, Filmen und vor allem in der Werbung konfrontiert werden. . . . Mindestens dreißig spezifische Situationen in unserem sozialen Zusammenleben wurden unterschieden, ein breites Spektrum, das Sterilisationsmißbrauch, Pornographie, Mißbrauch von medikamentösen Behandlungen, Erzeugung von Selbsthaß und ökonomische Unterdrückung erfaßt.”

Angesichts dieses in der Tat “breiten Spektrums” wird wohl niemand mehr bestreiten wollen, daß es sich eher um eine Art metaphorischer Beschreibung handelt, mit der nicht ein zu beseitigender Mißstand beschrieben werden soll, sondern die grundsätzliche Situation zwischen Männern und Frauen, die man nur abschaffen kann, wenn man die Tatsache abschafft, daß es zwei verschiedene Geschlechter gibt. Der Sexualwissenschaftler Rüdiger Lautmann konstatiert mit Beklemmung, wie sich die Botschaft der sechziger Jahre, Sex sei harmlos, spätestens seit den achtziger Jahren in ihr Gegenteil verkehrt hat: Sex ist seither eine Form von Machtausübung. Das Schlagwort von der “Zwangsheterosexualität” ist da ebenso sprechend wie der Slogan “Pornographie ist die Theorie, Vergewaltigung die Praxis”. War die Metapher des 19. Jahrhunderts für Sex “Prostitution”, so ist sie für das späte 20. Jahrhundert “Gewalt”.

Es kann kein Zufall sein, daß dem oben zitierten Frauenratgeber auch der weibliche Selbsthaß in die Aufzählung männlicher Gewaltakte gerutscht ist. In der Tat läuft die gegenwärtige Frauenpolitik mit ihrem Wahn von der totalen Gleichstellung auf die Auslöschung eines der beiden Geschlechter hinaus ­ frappierenderweise aber eben des weiblichen. Alles Frauenspezifische ­ in erster Linie natürlich das Kindergebären ­ wird ausgeblendet oder als eine auf beide Lebenspartner zu verteilende Last beschrieben. Wieder und wieder beklagt Frauenministerin Bergmann, die Aufteilung der Hausarbeit und Kinderpflege bleibe weit hinter den gesetzlichen Möglichkeiten zurück. Auch wenn sie es nicht ganz so deutlich sagt, kann sie sich dafür aber offenbar doch keine anderen Gründe vorstellen, als daß die Frauen gegen ihren Willen zu diesen menschenverachtenden Tätigkeiten gezwungen werden ­ sicher mit einem ganzen Bündel von Gewaltakten.

Schade, daß auch eine rot-grüne Regierung, der man etwas mehr Enthusiasmus für die frei disponierende Bürgerin gewünscht hätte (der sie ja mit ihrer Bildungspolitik erheblich auf den Weg geholfen hat), so zäh am Opferstatus von Frauen festhält. Vielleicht könnte ein bißchen unerschrockene Empirie hier weiterhelfen. Dann würde sich herausstellen, was Katharina Rutschky in ihrem neuen Buch vermutet: daß Männer und Frauen den Haushalt als Bühne für den Geschlechtsunterschied benutzen. Die Freiheit nehmen sie sich.

Mariam Lau lebt als freie Publizistin in Berlin.

© DIE WELT, 31.3.1999

Leserbrief von Dr. Karin Jäckel:

Mariam Lau hat es auf den Punkt gebracht: Die aktuelle Frauenpolitik agiert wirklichkeitsfremd und dient allenfalls insofern den Interessen der Frauen, als sie dem vergleichsweise kleinen Trupp der Ministerinnen, Frauenbeauftragtinnen, Gleichstellungsbeamtinnen und Leiterinnen zahlloser staatliche geförderter Frauenprojekte in ABM-Manier den Job erhält.

Anstatt die in Deutschland längst erreichte Gleichberechtigung der Frau zu begrüßen und ein partnerschaftliches Miteinander der Geschlechter zu fördern, wird die Gleichberechtigung negiert und durch eine in Einpeitschermanier betriebene Männer-Verhetzung ein Geschlechterkampf sondergleichen angeheizt.

Auf der Strecke bleiben neben Familien und Kindern die Frauen selbst, deren Unmündigkeit durch die gebetsmühlenartige Neuerfindung ihrer Opferrolle erst kunstvoll erzeugt wird.

Dr. Karin Jäckel, Autorin u.a. “Der gebrauchte Mann – Abgeliebt und abgezockt – Väter nach der Trennung”

Eine Generation im Dauerflunsch

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SZ Nr. 60 vom 13.3.99 – SZ am Wochenende, Seite VI

Astrid von Friesen

Müssen Mütter so unzufrieden sein? – Kleine Strafpredigt nach 30 Jahren Emanzipation

FRAUENPOWER: Mütter sind groß und mächtig, Väter blaß und gehorsam, und die kleinen Söhne werden zu Paschas erzogen …

Um es gleich zu sagen: Hier soll nicht die Rede sein von den vielen Frauen mit oder ohne Kinder, die im reichen Deutschland in Armut leben. Über sie wird häufig geschrieben. Hier geht es um die Frauen zwischen 30 und 35 Jahren aus der satten Mittelschicht Es ist die privilegierteste Frauengeneration der Weltgeschichte.

Es fing schon pränatal ziemlich gut an. Ihre Mütter mußten nicht mehr unzählige Schwangerschaften über sich ergehen lassen; besonders die Westmütter, sofern nicht erwerbstätig, hatten sensationell viel Zeit für sie, förderten sie nach allen Regeln der pädagogischen Kunst. Sie genossen eine gute Schulbildung, machten im Durchschnitt ein besseres Abitur als die Jungen, konnten unter interessanten Berufen wählen und sich ihr Leben selbstbestimmt einrichten. Denn sie partizipieren von den Errungenschaften der Frauenbewegung, die ihre Mütter noch mit Demos auf den Straßen, mit Abtreibungs-Offenbarungen, Frauenworkshops und jahrelangen, heißen Diskussionen vorangetrieben hatten. Sie partizipieren, aber lassen die Älteren auch ihre Verachtung spüren ob deren Verbiesterung. Ohne zu reflektieren, daß die hart kämpfen mußten für das, was für die 30jährigen selbstverständlich ist.

Als die erwachsen waren, konnten sie, ohne gravierende sexuelle und moralische Hemmungen, mit Pille, noch ohne Aidsangst, ihre Partner frei wählen, sich auch wieder trennen, ohne daß die eigenen Eltern zusammenbrachen, und sich lustvoll einen Neuen suchen. Wunderbar, diese Wahlmöglichkeiten für das gesamte eigene Leben. Noch nie für Frauen in diesem Umfang dagewesen! Man wünscht es ihnen nachträglich, daß sie diese Zeit genossen haben.

Sehr schweigsame Männer

Doch dann passierte etwas. Aus energiegeladenen, optimistischen Studentinnen, aus berufstätigen jungen Frauen wurden mißmutige Dreißiger, die ihres Lebens nicht froh sind, weder in der Ehe noch nach der Scheidung, weder mit noch ohne Kinder. Frauen, die den Dreh einfach nicht hinkriegen.

Beispiel eins: Eine junge Familie im Intercity. Die Eltern um die 30, beide in naturbelassener Baumwolle, zwei aufgeweckte Töchter. Die Frau bittet ihren Mann, ein Bilderbuch aus dem Rucksack zu holen. Tut er auch, freundlich und selbstverständlich. Die Kinder warten gespannt, daß der Vater ihnen gleich vorlesen wird. Gut und schön, jedoch nicht für die Frau. In sieben Minuten (mitgezählt) erteilt sie ihrem Mann sechs Befehle: Nein, faß den Rucksack anders an, nein, erst den Beiß Verschluß, nein, den anderen Reißverschluß, jetzt setzt euch zu dritt hin, nein anders … Stuft die Frau ihren höchstwahrscheinlich freiwillig gewählten Ehemann als geistig behindert ein? Nein, so wirkt er nicht, er läßt diesen demütigenden Redeschwall, mit stoischer Ruhe über sich ergehen. Ruhig ja, und tief resigniert. Und sie merkt gar nicht, daß sie gleichzeitig auch die Kinder nonstop mit unsinnigen Bevormundungen in leidender, nörgliger Stimme malträtiert. Nicht schlimm eigentlich, nur möchte man nach zehn Minuten schreiend davonlaufen.

Aber die Familie schaltet auf Durchzug, so daß diese chronisch unerträglich junge Frau dann wiederum das Gefühl bekommt, keiner höre ihr zu. Stimmt ja auch, das hält keiner aus! Doch was ist der Gewinn ihres Verhaltens? Sie darf sich als Opfer fühlen. Es scheint, als sei dies das unbewußte Ziel. Doch, um Himmels willen, warum? Sie hat doch alles, außer daß die Welt für alle ungerecht ist: Eine gute Ausbildung, einen sympathischen, hilfsbereiten Mann, entzückende Kinder, Geld für lange Reisen … Es gäbe da wohl einen “Zusammenhang zwischen der Blässe der Väter und der Bösartigkeit der Mütter”, schreibt Ursula März im Kursbuch Unsere Mütter.

Beispiel zwei: Ein gleichaltriges Paar steigt ein, beide vom Typ Bankangestellte, ein wenig schicker. Ohne Kinder. Er hebt den kleinen Koffer auf die Gepäckablage. Sie: Nein hierhin. Er muß ihn noch zweimal verrücken. Ebenso die Mäntel. Sie befiehlt aufhängen, nein hinlegen, nein hierher legen! Er macht es. Sie setzt sich als erste. Das ist o.k. Doch nein, sie will lieber gegenüber sitzen, also alles noch einmal andersherum. Eine ganz alltägliche Situation, oft zu beobachten. Erst auf den zweiten Blick wird ihre Abstrusität deutlich.

Wie muß es in diesen Frauen innen aussehen, wenn sie es nötig haben, ihre Männer in der Öffentlichkeit anhaltend zu schikanieren? Warum wollen sie der Welt demonstrieren, daß sie sich selbst einen Vollidioten ausgesucht haben, der den Koffer nicht ohne Anweisungen hinlegen kann? Warum dieser extreme Kontrollzwang? Würden Sie ihre beste Freundin auch so behandeln? Warum tun sie es – emanzipiert wie sie erscheinen wollen – nicht selbst? Und die Männer: meist freundlich, hilflos, fast devot. Aber sehr, sehr schweigsam.

Beispiel drei: Familie D., zwei Kinder. Er ist Psychologe, sie Lehrerin. Beide entscheiden als erwachsene Menschen freiwillig, daß er weiter arbeitet und sie zu Hause die Kinder erzieht. Niemand hat sie weder zu den Kindern noch zum Hausfrauendasein gezwungen. Er liebt seinen Beruf nicht, ist extrem angestrengt, wenn er nach Hause kommt, und muß dann noch Wäsche waschen, kochen und am Wochenende putzen. Emanzipationsgeschädigt wagt er Jahre nicht, sich darüber zu beschweren. “Frauen haben doch immer recht'”, ist seine resignierte Haltung.

Zur therapeutischen Aufgabe gehört, nun herauszufinden, welche Arbeit eigentlich in der Gesamtfamilie anfällt. Sie übersieht völlig, es ist buchstäblich nicht auf ihrer Rechnung, daß er zehn Stunden am Tag für die Familie arbeitet. Männliche Erwerbsarbeit zählt bei Frauen immer weniger, als sei jeder Job ein Jux oder die pure zehnstündige Selbstverwirklichung im Liegen. Nur die eigene Arbeit zu Hause hat Gewicht. Dann die provozierende Frage: Wenn er sich zehn Stunden mehr oder weniger quält, warum kann sie dann nicht die “doofe” Hausarbeit ebenfalls in dieser Zeit erledigen, so daß der Feierabend und das Wochenende frei sind für sie als Paar, für die von beiden geliebten Kinder und zur Erholung? Großes Erstaunen bei ihr, eine völlig neue Sicht auf die Welt und die Gerechtigkeit. Es ist ihr absolut ungewohnt, sich mal nicht als alleiniges Opfer zu betrachten, sondern zu erfahren, daß sich ein anderer Mensch als Opfer von ihr fühlt. Neu auch zu realisieren, daß ein anderer Mensch ebenfalls physische und psychische Grenzen hat. Völlig neu, daß es zufällig der eigene Mann ist.

Warum schaffen es junge Frauen nicht, innerhalb von zehn Stunden einen kleinen, volltechnisierten Haushalt und die Betreuung von zwei Kindern zu erledigen? Die Psychoanalyse lehrt: Nicht können, heißt nicht wollen!

Beispiel vier: Eine junge Familie. Die Frau ist Historikerin, bleibt ebenfalls freiwillig zu Hause bei den Kindern. Sie ist weder geistig noch körperlich behindert, doch dreimal in der Woche ruft sie panisch ihre Babysitterin an, weil sie es nicht schafft, die Kinder (4 und 5 Jahre) allein ins Bett zu bringen. Oder nicht schaffen will? Abends nach 20 Uhr räumt der Mann den Frühstückstisch ab. Für ein Eheleben bleibt da sowieso keine Zeit, Sexualität ist gestrichen statt…

Beispiel fünf: Eine Frau verläßt über Nacht den Mann, die zwei Kinder im Alter von sieben und acht Jahren bleiben bei ihm. Kann vorkommen, klar. Aber: Warum muß sie nicht für die Kinder zahlen? Kein Gericht kann sie offenbar zwingen zu arbeiten. Sie will auch nicht, hat wieder wohlhabend geheiratet. Eine türkische Mutter würde für die eigenen Kinder putzen gehen … Müssen nur Männer Alimente zahlen?

Beispiel sechs: Sie, aus einer matriarchalen Familie (schon in der dritten Generation werden Männer ausgesondert), läßt sich scheiden. Die drei Kinder hat sie ihrem Mann – klar, selber schuld – entlockt (zweimal hatte sie die Spirale ohne sein Wissen herausgenommen). Anschließend hat er ausgedient, jetzt darf er Unterhalt zahlen, aber die Kinder nicht sehen, selbst Weihnachten nicht mit ihnen telephonieren.

Ist sie nun glücklich? Nein. Und der Besuch beim Arzt, Homöopathen, Wunderheiler wird zum Hobby, weil zum einzigen Kontakt mit der Männerwelt. Was hat sie gegen ihn? Was hat er ihr getan? Nichts. Nur schuld sei er an allem. Ihre 50 Prozent Selbstbeteiligung an der Ehe mit ihr zu reflektieren, ist nicht möglich. Er hatte nämlich neben zwölf Stunden Arbeit noch die eigenen Hemden bügeln müssen, versorgte abends die Kinder, renovierte bis Mitternacht das Haus. Ihre drei Kinder: Keine Freude für sie, als Waffen mißbraucht.

Erbe für die Söhne

Kinder dienen der Selbstverwirklichung. Doch sind sie erst einmal da, werden die Mütter depressiv. Sie wissen zwar alles über prä- und postnatale Zustände, machen sich verrückt wegen der besten Babynahrung, aber können sich nicht freuen. Vielleicht weil die Welt zu viele Möglichkeiten bietet, weswegen sie so wenig zu dem stehen können, wofür sie sich freiwillig als Erwachsene ohne Not entschieden haben: für Kinder, für eine Kinderphase von 5 bis 15 Jahren?

Und die Fortsetzung folgt auf dem Fuße: Keine der jungen mit ihren Männern so unzufriedenen Frauen krempelt die Ärmel hoch und erzieht ihre kleinen Söhne zu wunderbar sozialen Wesen, die perfekt kochen und bügeln können. Nein, die eigenen Söhne werden ebenfalls Paschas. Die vorweggenommene Schwiegermutterrache an der späteren Schwiegertochter? Frei nach dem Prinzip: Zahn um Zahn, Mann um Mann, Ärger um Ärger! Donata I., eine Mutter von vier Söhnen, formuliert es positiv: “Mein Erziehungsziel ist, daß mich später einmal meine Schwiegertöchter lieben …”!

Karin Jäckel schrieb 1998 Der gebrauchte Mann – Abgeliebt und abgezockt – Väter nach der Trennung, ein Buch für “emanzipierte Frauen, die es nicht nötig haben, Männer als unfähige Väter und Faulenzer der Nation und die Ehe als Versorgungsinstitution zu diffamieren”. Die Autorin bekam Morddrohungen – von Frauen. Dabei hat sie nur (nach Hunderten von Büchern über die Schlechtigkeit der Männer) die andere Seite beleuchtet: Frauen als Täterinnen, Frauen, die ihre Männer und ihre Kinder als Machtmittel, Eigentum, Racheobjekt und Wanderpokale mißbrauchen.

Doch Achtung! Der Kulturkritiker Robert Bly schreibt, daß nach der Vaterlosigkeit (in den USA wachsen schon 60 Prozent der schwarzen und 30 Prozent der weißen Jugendlichen ohne Väter auf!) die Mütterlosigkeit folgen wird. Ihr Beginn ist schon an der Machtlosigkeit vieler Mütter spürbar, die gegen die Medien und Peergroups nicht mehr viel ausrichten können.

Gute Väter sind nicht gefragt

Was heißt eigentlich Emanzipation? “Befreiung aus einem Zustand der Abhängigkeit; Verselbständigung; rechtliche und gesellschaftliche Gleichstellung” (Duden 1990). Nirgends steht, daß die Opferhaltung dazugehört, dieses quengelige, nörglige Kleinmädchengehabe mit Dauerflunsch wie bei Schwerpubertären. So haben wir uns das damals nicht vorgestellt, daß die Jüngeren zwar partizipieren, aber wie unmündige Prinzessinnen quengeln. Warum kämpfen sie nicht aufrecht, lustvoll, kreativ und mit alle ihren fabelhaften Voraussetzungen für mehr Gerechtigkeit auf dieser Welt? Warum der Rückzug ins Mißmutige, ins Geldzählen, ins Eigenheim, ins Dekorative, ins Depressive?

Sie haben doch alle Möglichkeiten, die Dreißiger: Selbsthilfegruppen, Müttertreffs, Therapie jeglicher Couleur, Freundinnen im Dutzend und die Freiheit hoher Telephonrechnungen. Warum also entsteht keine neue Frauenpower? Nur dieses Zierpuppengehabe, diese Menschenverachtung in Richtung Männer. Ja, es stimmt, viele von denen müssen sich noch heftig weiter emanzipieren. Aber viele der jungen Frauen ebenfalls.

Warum gucken sie nicht hin, ehe sie einen Vater für ihre Kinder wählen? Sie haben doch Zeit und Gelegenheit zu testen. Und gute Vaterqualitäten sind auch immer gute Partnereigenschaften. Der Grund: Frauen ist anderes eindeutig wichtiger: Das Sample-Institut hat herausgefunden: Rund 90 Prozent der Frauen haben ein geringes oder gar kein Interesse an den Vaterqualitäten eines Mannes. Wichtiger ist es 39 Prozent, daß Männer gut aussehen, und 12 Prozent, daß sie reich sind. 76 Prozent also bevorzugen die Oberfläche. Und 89 Prozent legen keinen Wert auf die väterliche Einmischung bei der Erziehung.

Monika Maron denkt sich in einem Aufsatz (1997) in Männer hinein und bekommt das Gruseln und tiefes Mitleid mit ihnen: Wegen der “Versorgungsdenkerinnen”, die mit einem Kind und Putzfrau über ihren Full-time-Job als Hausfrau klagen. Wegen der “Erzieherinnen, die mit lüsternen Blicken meinen Charakter und meine Vorlieben durchschaut und dabei denkt: “Den biege ich mir hin”. Wegen der “Sicherheitsfanatikerin, die mich in Lebensversicherungen, Kredite und Bausparverträge einwickelt wie eine Mumie”.

Doch diese Frauen sind eine aussterbende Spezies: klagen, nörgeln, lamentieren, kränkeln ist out. Der innovativste Frauentyp seien die modernen Amazonen, so die Trendforscher. Sie benutzen neue Arbeitsformen, um Berufs-, Privat- und Sozialleben in Einklang zu bringen, auch sind sie offen für andere und das Leid der Welt, sehen über ihren familiären und – besonders wichtig – über den Freundinnentellerrand hinweg, ohne dabei verbissen zu werden, sondern nehmen das Leben mit Humor. Und Humor schließt, Göttin sei Dank, eine kritische Selbstreflektion und genügend Abstand zur eigenen Person unabdingbar mit ein.

Die Autorin ist als Psychotherapeutin in Freiberg und Dresden tätig.

Rezension der Autorin von “Der gebrauchte Mann”

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