Das Petra Prinzip

December 22, 2005

Zurück ins Jahr 1966

Filed under: Beispiel,These — by petraprinzip @ 1:25 pm

Schön geschriebener Beitrag im Brigitte Blog: Permalink

Die Mode anno 1966? Geschenkt, kein Grund zur Klage. Einige Teile sehen richtig trendy aus, der Sixties-Look ist zweifelsfrei auch heute noch sehr salonfähig. Zwei Brigitte-Modelle (damals noch zum Selberschneidern) gibt es auch, eins in Größe 36, und eins in Größe 46. Auch die BRIGITTE-Typberatung gab’s damals schon. Im Partyheft werden zweieiige Zwillinge beraten, die 19 sind und wie 39 aussehen (vorher), nachher immerhin wie Anfang 30. Ähnlich altbacken die Rezepte für eine gelungene Party, die ich im Eiltempo durchblätterte. Leckereien wie die “Italienische Eierplatte” oder der “Zigeunersalat” eignen sich heut zu Tage höchstens für eine Retro-Party.

Auch die Erzählung “Du kannst kein Leben lang ein kleines Mädchen sein” (fast 30 Seiten!) konnte mein Interesse nicht so recht wecken. Dafür aber die Brigitte-Runde: “Acht gesellige Damen und Herren sprechen über ihre Erfahrungen auf Partys”. Vier Männer, vier Frauen. Alle Männer berufstätig, alle Frauen Hausfrauen. Klar, was sonst. Noch keine 40 Jahre her, und doch kündet diese Runde von einer tatsächlich längst untergegangenen Zeit, als Frauen schlicht keinen Beruf ausübten, stattdessen über den Job ihres Ehegatten definiert wurden, und das auch total normal war. Ich zitiere aus dem Steckbrief einer der Damen: “Vera H., Hausfrau, Fünfeinhalb-Zimmer-Wohnung. Ihr Mann ist Schiffsmakler.” Sie sagt über Party-Gäste: “Wenn die Männer sich über ein berufliches Thema unterhalten wollen, sollen sie zu diesem Zweck einen Herrenabend veranstalten.” Frauen verstehen davon ja nix… Wie auch, denn ein paar Seiten weiter folgt eine Reportage mit dem Titel “Kein Heim ersetzt die Mutterliebe!”. Selten war ich Alice Schwarzer so dankbar wie gestern abend.

Immerhin, zarte emanzipatorische Ansätze konnte ich dennoch in der Party-BRIGITTE entdecken. Nämlich die Geschichte einer Mutter, die darüber berichtet, weshalb sie sich entschlossen hat, den Vater ihres Kindes nicht zu heiraten. Jetzt schicke ich die BRIGITTE an eine befreundete Journalistin, der ich davon erzählt hatte. Ich mag sie nicht bei mir herumliegen haben – die Idee als Party-Mitbringsel war zwar super, aber die Lektüre fand ich doch ziemlich scheußlich. Liegt aber bestimmt auch an dem Keller-Mief, den sie ausströmt – und der wirklich sehr hartnäckig ist.

Wiebke Peters: Donnerstag, 8 Dezember 2005, 13:17 Uhr | Permalink

Selten war ich Alice Schwarzer so dankbar wie gestern abend.

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