Das Petra Prinzip

December 20, 2005

Das Ende der Frauenbewegung

Filed under: Abschnitt,Argument,Beispiel,These — by petraprinzip @ 11:57 am

“Emma und ihre Schwestern” – das neue Buch von Katharina Rutschky

Ende der 60er Jahre entwickelte sich aus der Studentenrevolte die deutsche Frauenbewegung. Die Autorin Katharina Rutschky schreibt heute: “Diese Bewegung hat sich totgesiegt, es gibt keinen Grund, sich zu freuen – um die Diskussion neu anzuregen, müssen auch neue Parolen her”.

Vor dreißig Jahren verlangten Feministinnen lautstark und nachdrücklich ihr Recht auf Selbstbestimmung. Sie attakierten die Vorherrschaft der Männer – wollten das Patriarchat abschaffen. Frauen wurden unberechenbar, entwickelten Parolen, mit denen sich Leidensgenossinnen identifizieren konnten, erklärten das andere Geschlecht zum Feindbild. Das Fürchten sollten sie lernen, denn bislang waren Frauen potentielle Opfer und Männer die potentiellen Täter – Zeit, dies zu ändern. Rutschky

Der Kampf gegen den Abtreibungsparagraphen 218 sorgte für Aufsehen – 1971 druckte der “Stern” ein Titelblatt, auf dem Frauen bekannten: Ich habe abgetrieben. Es war völlig neu, über dieses Thema öffentlich zu reden – ein Tabubruch. Die Frauen forderten, über ihren Körper selbst zu bestimmen. Alice Schwarzer gründete die Zeitschrift EMMA und ist seitdem eine der prominentesten und engagiertesten Frauen, die aus dieser Bewegung hervorging. Die Por-No-Kampagne der Emma-Redaktion entfachte die Diskussionen um Pornographie und sexuelle Freiheit. Wieder wurde ein Thema angesprochen, über das besser nicht geredet werden sollte. Frauen verlangten in allen Bereichen Gleichberechtigung – wollten es den Männern gleichtun und endlich die Rolle, die ihnen geschichtlich zugedacht war, aufbrechen. Und die Männer, die es gewohnt waren, für ihre Familie zu sorgen, sich der Frau überlegen zu fühlen und die ihre Männlichkeit notfalls im Krieg unter Beweis stellen konnten – ihnen fiel es schwer, sich mit der Gleichberechtigung der Geschlechter anzufreunden.

Heute ist das etwas anders: Frauen im Berufsleben sind keine Ausnahme mehr, Frauen, die abgetrieben haben auch nicht. Sie sind in der westlichen Welt grundsätzlich anerkannt, haben alle Freiheiten. Anders ausgedrückt: die Emanzipation ist gesellschaftsfähig geworden – wird in ihren Grundprinzipien nicht kritisiert, denn schon lange werden die Rechte der Frau nicht mehr in Frage gestellt. Doch dies ist auch das Ende der Frauenbewegung. Heute kämpfen die Frauen nicht mehr, heute beschweren sie sich. Sie klagen über Doppelbelastung, mangelnde Anerkennung, Quotenregelungen, sie vermissen den Respekt – empfinden Neid auf das, was Männer haben.

Buchtitel Um die Diskussion neu zu entfachen, müssen auch neue Parolen her. Nun müssen Frauen von ihrer – wie Katharina Rutschky es ausdrückt – “Differenztheorie” Abschied nehmen. Nicht die Männer- oder Frauenwelt sollte angestrebt werden, die Geschlechter müssen sich annähern. Und das ist es, worauf die Frauen der 90er bestehen müssen: sie sollen nicht genauso wie die Männer werden, nicht Männer durch Frauen ersetzen, sie sollen anders bleiben, doch mit den gleichen Rechten und Möglichkeiten. Erst dann, wenn es nicht mehr nötig ist über die Frauenbewegung, deren Sinn und Unsinn, über Quoten oder Gleichberechtigung zu reden oder Männer ihre Zustimmung geben wie “Ich finde es schon in Ordnung, daß Frauen für ihre Rechte kämpfen, ich habe nichts gegen eine Frau in Führungspositionen”, dann ist es geschafft. Andererseits sollten Frauen aber auch nicht mehr vor Bewunderung schreien, wenn ein Mann alleine seine Kinder großzieht, den Haushalt bewältigt und auch noch beruflich erfolgreich ist.

Literaturhinweis: Katharina Rutschky, “Emma und ihre Schwestern”, erschienen bei Hanser / John Gray, “Männer sind anders – Frauen auch”

4. Februar 1999

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